ARCUS bewegt: Schulterbeschwerden
Shownotes
In dieser Episode von "ARCUS bewegt" behandeln wir das Thema Schultergesundheit und -chirurgie, gemeinsam mit Prof. Dr. Christian Fischer.
Prof. Fischer beginnt mit einer Einführung in die Bedeutung der Schulter, einem der beweglichsten Gelenke des Körpers, und erklärt, wie ihre Komplexität sowohl Vorteile als auch Risiken mit sich bringt.
Wir vertiefen uns in die häufigsten Beschwerden, mit denen Patienten in die Sprechstunde kommen, insbesondere das Impingement-Syndrom, und erläutern die Herausforderungen bei der Diagnosestellung und Behandlung. Prof. Fischer beschreibt, wie wichtig eine umfassende Diagnostik ist, die persönliche Vorgeschichte, Bildgebung und klinische Untersuchung umfasst, um zu einer präzisen Diagnose und damit zu einer gezielten Therapie zu gelangen.
Ein großer Teil der Diskussion widmet sich der Entscheidung zwischen konservativen und operativen Behandlungsmethoden. Dabei erläutert er, dass die meisten Patienten zunächst eine konservative Therapie empfohlen bekommen und nur im Falle chronischer Erkrankungen oder schwerwiegender Verletzungen operative Optionen in Betracht gezogen werden. Dies erfordert eine individuelle Bewertung und den Dialog mit dem Patienten, um den optimalen Zeitpunkt für eine Intervention zu bestimmen.
Ein bemerkenswerter Punkt in der Episode ist Prof. Fischers Erörterung der Schulterprothetik. Er erklärt die Entwicklung der modernen Schulterprothesen, einschließlich der innovativen inversen Prothese, die es ermöglicht, komplexe Verletzungen zu behandeln, bei denen die Muskulatur nicht mehr die Stabilität gewährleisten kann. Die technische Entwicklung, gepaart mit der Routine in spezialisierten Zentren, hat die Ergebnisse und die postoperative Betreuung verbessert, wodurch Patienten schneller in ihren Alltag zurückkehren können.
Prof. Fischer betont auch die Bedeutung der Rehabilitation und der aktiven Mitarbeit der Patienten nach der Operation. Er gibt einen Einblick in den Ablauf der Rehabilitation, von der Wundheilung über die Wiederherstellung der Beweglichkeit bis hin zum Kraftaufbau. Das Gespräch schließt mit präventiven Tipps zur Erhaltung der Schultergesundheit, wobei die Wichtigkeit aktiver Lebensweise und regelmäßiger Bewegung hervorgehoben wird.
Abschließend lade ich die Hörer ein, Fragen zu stellen und Themen für künftige Episoden vorzuschlagen. Damit möchten wir sicherstellen, dass wir die Bedürfnisse unserer Zuhörer stets im Blick haben und relevante Informationen rund um Gesundheit und Bewegung bieten.
Alle Informationen rund um die ARCUS Kliniken, den Podcast und die Events finden Sie hier:
linktr.ee/arcuskliniken
Transkript anzeigen
00:00:00: ARKUS bewegt.
00:00:01: Der Podcast direkt aus den ARKUS-Kliniken in Pforzheim.
00:00:06: Unsere Spezialisten beantworten ihre Fragen rund um den Gelenkersatz und die Sporttraumatologie.
00:00:12: Von der Diagnose bis zur Reha.
00:00:15: Wir begleiten Sie jeden Dienstag mit neuen Themen auf Ihrer Bewegungsreise.
00:00:20: Lernen Sie unsere Spezialisten kennen und stellen Sie uns Ihre Fragen durch unsere Moderatorin Lisa Bornbaum.
00:00:28: Bei weiteren Fragen schreiben Sie uns gerne auf Instagram oder besuchen Sie unsere Webseite www.sportklinik.de.
00:00:37: Alle weiteren Informationen finden Sie in der Podcast-Beschreibung.
00:00:42: Und jetzt viel Spaß mit der neuen Folge ARKUS bewegt.
00:00:47: Ja und damit herzlich willkommen auch von mir.
00:00:49: Wir behandeln heute ein besonderes Gelenk, und zwar die Schulter.
00:00:52: Egal ob Schmerzen, Verletzungen oder sogar eine Prothese.
00:00:56: Wir wollen heute alles Wichtige dazu klären.
00:00:58: Und dafür habe ich mir Prof.
00:00:59: Dr.
00:01:00: Christian Fischer eingeladen.
00:01:01: Schön, dass Sie da sind.
00:01:03: Ja, vielen Dank, Frau Braunbaum, für die Einladung.
00:01:05: Ich freue mich sehr, dass ich diese Podcastreihe mit dem Gelenk fortsetzen kann, was mir ganz besonders am Herzen liegt, der Schulter.
00:01:13: Ja, zum Einstieg.
00:01:14: Wir starten ja immer mit so einer kleinen Vorstellung.
00:01:16: Vielleicht können Sie uns ein paar Worte zu Ihnen noch sagen.
00:01:19: Mein Name ist Christian Fischer.
00:01:20: Ich bin jetzt seit fünf Jahren an den Arcuskliniken.
00:01:23: Ich leite die Abteilung für Schulter und Ellbogen, Chiorgi.
00:01:26: Ich habe noch eine Professur an der Universität Heidelberg und meine Ausbildung habe ich damals in der BG-Unfallklinik in Duisburg begonnen, wo ich mich vornehmlich der Unfallshow gewidmet habe.
00:01:38: Die Schulter, als wesentliches Gelenk meiner Laufbahn, hat mich immer schon fasziniert und auch beschäftigt, wurde damals als Leistungsschwimmer in meiner Jugend damit konfrontiert, dass Beschwerden keinen richtigen Namen und keine richtige Diagnose hatten.
00:01:53: Und so war ich damals gezwungen und motiviert mich selber damit zu beschäftigen, damals noch mit dem ganz konventionellen Gang in eine Bibliothek, wie man das zu Zeiten von Google und Chat GBT vielleicht gar nicht mehr kennt.
00:02:05: Und somit war die Faszination für das Schultergelenk immer schon da.
00:02:09: Und das konnte ich in den letzten Jahren sehr erfolgreich ausbauen und macht das mit großer Freude.
00:02:15: Aber was genau macht die Schulter denn eigentlich so besonders?
00:02:19: Im Vergleich zu den anderen Gelenken ist die Schulter ein rein weichteil geführtes Gelenk.
00:02:25: Das heißt, gerade wenn man sich mal die Hüfte vor Augen hält, ist ein Gelenk, wo der Oberschenkel Kopf von der Pfanne geführt wird.
00:02:32: Das heißt, es ist eine knöchernde Führung.
00:02:34: Eine Schulter ist das ganz anders.
00:02:36: Das Schulter ist das bestbeweglichste Gelenk im Körper.
00:02:39: Das jedoch zum Preis, dass sie von der Führung durch die Sehnen und die Muskulatur abhängig ist.
00:02:44: Wir haben eine ganz kleine Pfanne.
00:02:46: Wir haben einen großen Fast.
00:02:48: Kugelrunden ober am Kopf.
00:02:50: Das hat viele Vorteile, wirkt aber auch Risiken, wenn das nicht mehr funktioniert.
00:02:54: Und das ist einmalig bei uns im Körper.
00:02:57: Wenn wir jetzt in den Alltag in die Sprechstunde abtauchen, was ist denn so das heutigste Krankheitsbild, das da vertreten ist?
00:03:04: Die meisten Patienten kommen mit der Diagnose Schmerz in die Sprechstunde.
00:03:10: Das heißt erst mal sehr, sehr unspezifisch.
00:03:13: Manche haben auch schon eine Verdachtstiagnose, die heißt meistens im Pinchment-Syndrom.
00:03:17: Man muss aber auch sagen, dass der Patient in der Regel nicht direkt bei Schmerz eintritt, bei uns vorstellig wird, sodass schon einiges an Diagnostik und Therapie gelaufen ist.
00:03:28: Manchmal ist die erfolgreich gewesen, manchmal nicht.
00:03:32: Und das ist dann der Moment, wo wir einsteigen in unsere Sprechstundiagnostik und da weitermachen, wo andere aufgehört haben.
00:03:39: Was können wir uns denn vorstellen unter dem Impingement-Syndrom?
00:03:44: Erst Impingement-Syndrom auf Deutsch Engpass-Syndrom.
00:03:48: drückt eigentlich das aus, was man sich landläufig darunter vorstellt, was an der Schulter häufig krank sein könnte, dass der Raum über dem Oberarmkopf zu eng ist, wo die Sehnen entlang laufen.
00:04:00: Es stellt sich dann jedoch meistens im Verlauf der Diagnostik heraus, dass dies gar nicht die Ursache ist für die Beschwerden, sodass es eigentlich eher eine Verlegenheitstiagnose ist.
00:04:10: Das, was wir in der Sprechstunde machen, ist, dass wir ein diagnostisches Mosaik entwerfen.
00:04:15: Wir haben das schon viel zu gehört.
00:04:17: Das besteht einmal aus der Vorgeschichte.
00:04:19: Man treten die Märzen auf, gibt es irgendwelche Risikosportarten, Risikoperufe, gibt es irgendwelche Bildgebungsbefunde, die der Patient mitbringt.
00:04:29: Meistens wird schon ein Röntgenbild mitgebracht und ein MRT, also ein Kernspin.
00:04:33: Und ganz wichtig, wir werden dann einen Ultraschall durchführen, der Ultraschall, zum Prinzip der Stethoskop des Orthopäden.
00:04:40: Und in der Zusammenschau dieser gesamten Befunde und natürlich der klinischen Untersuchung.
00:04:45: können wir dieses Mosaik dann vervollständigen und auch zu einer guten Diagnose kommen.
00:04:49: Denn nur mit der passenden Diagnose kann man auch die passende und erfolgreiche Therapie festlegen.
00:04:55: Wenn wir dann eine Diagnose haben, dann können wir in die Behandlung starten.
00:04:58: Die wird wahrscheinlich auch hier in konservativ-operativ unterteilt sein und in dem operativen... Part gibt es aber auch wieder ganz, ganz viele verschiedene Wege, die eingeschlagen werden können.
00:05:09: Was gibt es denn da für Möglichkeiten, die der Patient dann hat oder die auch sie dann haben, um den Patient zu helfen?
00:05:15: Das ist eine wichtige und entscheidende Frage, die so gut wie alle Patienten beschäftigt, die zu uns kommen, muss das operiert werden.
00:05:23: Und dazu einige Zahlen, etwa zwei Drittel der Patienten, die bei uns in der Schultersprechstunde vorstellig werden, erhalten die Empfehlung einer konservative Behandlung, also die überwiegende Mehrheit.
00:05:34: Konservativ kann man immer dann behandeln, wenn man keine zeitkritische Erkrankung hat.
00:05:40: Das heißt, wenn wir der konservativen Behandlung auch eine Chance geben können, ohne einen wichtigen Zeitpunkt zu verpassen.
00:05:46: Etwas anderes ist es, wenn es um ein Unfall geht, wo gegebenenfalls Bänder frisch gerissen sind, die dann auch zeitnah repariert werden müssen.
00:05:55: Aber handelt es sich um chronische Erkrankungen, ist immer die konservative Behandlung an erster Stelle.
00:06:00: Ist diese ausgereizt und das gilt es dann mit jedem Patienten individuell zu klären, werden dann die nächsten Schritte eingeleitet, dass man die operativen Optionen bespricht, vorstellt und diskutiert.
00:06:13: Das kann man nicht pauschal beantworten.
00:06:16: Es gibt ab und zu Patienten, die einem Fotos oder Auszüge aus MET-Aufnahmen per E-Mail oder per WhatsApp oder sonst etwas schicken und eine Therapieempfehlung möchten.
00:06:27: Das greift ein bisschen zu kurz.
00:06:29: Eigentlich ist das immer eine Bilanzentscheidung und deswegen brauchen wir die Gesamt.
00:06:33: Betrachtung durch diese vielen Untersuchungsmodalitäten aus der Sprechstunde.
00:06:38: Gibt es auch im Schulterbereich das Zu-Lange-Warten eines Patienten und welche Erkrankungen auch bei denen man vielleicht zu lange wartet?
00:06:46: Erführen dann am Ende des Tages zu einer Prothesen-Operaten mal erstmal zur Empfehlung zu einer Prothesen-Operation?
00:06:52: Ja, das gibt es tatsächlich.
00:06:54: Und zwar reden wir davon einem optimalen Zeitpunkt der Intervention oder der Operation.
00:07:01: Wenn wir jetzt einmal die Risse oder die Rupturen der Rotatorenmanschette als Beispiel nehmen, die Rotatorenmanschette ist die Muskelhaube, die den Oberarmkopf in der Schulterpfanne führt, dann sind tatsächlich Risse dieser Rotatorenmanschette unter gewissen Umständen zeitnah zu versorgen.
00:07:20: Werden diese Risse nicht erkannt oder werden diese nicht rechtzeitig operiert, kann dies zu weiteren Konsequenzen führen, sodass eine Rekonstruktion also eine Reparatur des Gelenks nicht mehr möglich ist.
00:07:32: Ist also der Moment überschritten, dass ein Gelenkerhalt nicht mehr möglich ist, befinden wir uns dann im Spielfeld der Endoprothetik.
00:07:39: Gibt es dann bestimmte Patienten, denen Sie eher die Prothese empfehlen als anderen?
00:07:45: Oder gibt es auch hier bestimmte Altersgruppen, Berufsgruppen?
00:07:48: Wir hatten es ja schon bei der Hüfte oder beim Knie eben.
00:07:51: dass manches eigentlich gar nicht brauchen im Alltag und auch so klar kommen, aber das stelle ich mir jetzt bei der Schulter ein bisschen anders vor, glaube ich.
00:07:57: Das ist völlig richtig und es ist offensichtlich, dass wenn ich auf den Arm laufen und deswegen gibt es auch weniger Schulterschirrogen als Knie- oder Hüft-Schirrogen, wenn wir auf allen vier Füßen laufen würden, so wie früher, dann sähe das sicherlich anders aus.
00:08:13: Wenn wir jetzt darauf angesprochen werden, welche Risiko Berufsgruppen es gibt, dann sind das typischerweise Elektriker.
00:08:20: Handwerker mit hoher körperlicher Arbeitsbelastung oder auch Menschen, die am Fließband arbeiten, ORKFZ Schlosser.
00:08:28: Es sind alles Gerofe, die prädestiniert dafür sind, irgendwann einmal eine Arthrose entwickeln des Schultergelenks und dann auch früher einen Gelenkersatz benötigen.
00:08:38: Die Frage nach dem Alter, wem man denn dann ein neues Gelenk, also ein Schultergelenk empfiehlt, ist sehr, sehr relativ und sehr individuell.
00:08:47: Auch hier gibt es keine Pauschale.
00:08:49: Empfehlung, das kommt immer auf den Anspruch des Patienten an, den beruflichen Anspruch, den sportlichen Anspruch, was möchte eigentlich im Alltag noch erreicht werden, wie hoch ist der Leidensdruck, schläft man nachts noch durch, wie ist der Schmerzmittelkonsum, ist die Körperpflege noch möglich.
00:09:05: Ganz viele Dinge spielen dann eine Rolle, gibt es vielleicht Vorerkrankungen, die einen operativen Eingriff gar nicht erst möglich machen.
00:09:11: Das heißt, in dieser ganzen Wagschale der Pro und Contas, was eine Operation und ein Gelenkersatz angeht, muss man entscheiden, was das Richtige für den Patienten ist und das geschieht im Dialog mit den Patienten in der Sprechstunde.
00:09:26: Gibt es denn aber eine Alternative zur OP?
00:09:28: Also wenn meine Schulter jetzt von der Arthrose so aufgefressen in Anführungszeichen ist, dass ich wirklich eingeschränkt bin, wirklich leide, ist dann der einzige Schritt, den ich eigentlich noch gehen kann, die Vollprothese.
00:09:40: oder gibt es auch in der Schulter die Teilprothese?
00:09:43: Also das spricht ja wieder den optimalen Zeitpunkt an und den gibt es tatsächlich.
00:09:47: Wir haben viele Patienten, die mit einer Arthrose bei uns in der Sprechstunde sind, denen wir keine Operation empfehlen, weil die Beweglichkeit noch ausreichend gut ist und weil die Schmerzen noch gut unter Kontrolle sind und weil die Nächte noch durchgeschlafen werden können.
00:10:01: Dieser optimale Zeitpunkt des Operierens, der ist eigentlich dann erreicht, wenn die Einschränkungen so groß fährten, dass die Lebensqualität stark eingeschränkt ist.
00:10:11: Ist es eine sehr fortgeschritten Arthrose des Schultergelenks?
00:10:14: Wir sprechen übrigens davon einer Ommarthrose, das kommt von Omos Grieche Schulter.
00:10:19: Ist diese sehr, sehr weit fortgeschritten, sprich die Beweglichkeit ist massiv eingeschränkt, der Leidensdruck ist sehr hoch.
00:10:25: Können wir immer noch operieren, wir können auch immer noch ein künstliches Gelenk einsetzen.
00:10:30: Wir wissen aber, dass die Patienten im Nachgang der Operation viel, viel mehr arbeiten müssen, um wieder eine passable Beweglichkeit zu erreichen.
00:10:38: Das heißt ja, Wir müssen den optimalen Zeitpunkt abpassen und das geht nur durch eine intensive Betreuung in unserer Sprechstunde und in unserer Behandlung.
00:10:48: Wenn es dann zur Operation kommt, da haben ja die meisten Patienten großen Respekt davor, weil das eben nicht zum Alltag gehört wie jetzt in Ihrem Fall.
00:10:56: Wie läuft denn so eine Operation ab und wie lange dauert die denn?
00:11:00: Tatsächlich haben wir ja auch schon mal den Begriff Operation des Jahrhunderts gehört.
00:11:07: vielen etwas sagt und im Bereich der Schulter gibt es sehr viele Patienten, aber auch Kollegen, die nicht darüber informiert sind, welche Optionen wir am Schultergelenk eigentlich haben.
00:11:17: Das ist ja tatsächlich geschuldet, dass sich die endoprothetische Schultergelenks etwas später durchgesetzt hat, also das Hüftgelenks.
00:11:26: Wir haben am Ende des neunzehnten Jahrhunderts die ersten Schulterprothesen gesehen, so richtig der Durchbruch gelangt.
00:11:33: Mitte des letzten Jahrhunderts, wo zunehmend sogenannte anatomische Schulterprothesen eingesetzt wurden.
00:11:40: und in den frühen Achtziger Jahren gab es dann die Entwicklung der sogenannten Inversenprothese, zu denen ich später noch etwas sagen werde, womit sich dann die Schulterendopothetik revolutioniert hat.
00:11:52: Und wir sehen eigentlich in den letzten Jahren einen extremen Anstieg der Schulterendopothetik.
00:11:57: Die Materialien werden immer besser, die Operationszeiten werden immer kürzer, die Eingriffe sind weniger einschneidend, die Haltbarkeit wird immer länger und alle diese Faktoren haben gerade in den letzten zwei bis drei Jahrzehnen dazu geführt, dass sich die Schulterendopothetik auf einem Niveau mit der Hüfteendopothetik bewegt.
00:12:17: Sie hatten gerade schon von der inversen Prothese gesprochen.
00:12:20: Was können wir uns denn genau darunter vorstellen?
00:12:23: Die inverse Prothese war eigentlich der Game Changer in der Schulterendopothetik.
00:12:28: Wir sprechen bei den inversen Prothesen.
00:12:31: Auch umgangssprachig von umgedrehten Prothesen.
00:12:34: Manche Patienten sagen auch, bauen sie mir diese Prothes an, die falsch herum ist.
00:12:38: Das hört sich dann immer ein bisschen komisch an.
00:12:41: Falscherum muss auch nicht immer schlecht sein, sondern Falscherum bedeutet in diesem Kontext, dass wir ein stabiles und geführtes Gelenk haben.
00:12:48: Das heißt im Gegensatz zum ursprünglichen Schultergelenk, was nicht geführt ist, wo wir nur die Muskulatur und die Sehnen haben, haben wir bei dieser inversen Prothese ein in sich konkurrentes Gelenk.
00:12:59: Das heißt die Stabilität kommt nicht mehr von den Sehnen.
00:13:02: Das bietet uns die Möglichkeit, auch solche Patienten zu behandeln, bei denen eine umfassende Rotatorenmanchette Verletzung schon lange zurückliegt, nicht mehr repariert werden können, die eine sehr schlechte Beweglichkeit haben und früher damit klar kommen mussten.
00:13:17: Bei diesen Patienten haben wir als Besonderheit der Schulterschurgy ebenfalls eine Prothese zur Auswahl.
00:13:23: Das gibt es bei keinem anderen Gelenk.
00:13:26: Welche Faktoren kommen denn jetzt hier zum Beispiel bei uns im Haus täglich dazu, dass eben diese Operationen viel routinierter werden, dass die schneller werden und dabei eben nicht an Leistung verlieren?
00:13:38: Die Schulterendopathetik, die sich in den letzten Jahren entwickelt hat, hat vor allem eines gewandelt und zwar arbeiten wir überwiegend mit zementfreien Implantaten.
00:13:48: Das heißt Implantate, die so verankert werden, dass die sofort stabil ist und die Patienten in dem Moment, wo sie aus dem OP herausgefahren sind, bereits ein vollblastbares Gelenk haben.
00:13:59: Das heißt, erst mal sind die Materialien viel, viel besser geworden, sehr langlebig.
00:14:03: Das Zweite ist, dass gerade im Bereich der Schulterschirurgie die Routine sehr maßgeblich ist.
00:14:10: Und da es eine Erkrankung ist, die nicht so häufig operiert wird wie die Erkrankung einer Hüfte oder einem Kniegelenk, ist es sehr, sehr wichtig, dass man sich dort in einem Zentrum behandeln lässt, wo dies häufig gemacht wird.
00:14:23: Das ist vergleichbar mit der Luftfahrt.
00:14:25: Dort steige ich auch lieber ins Flugzeug ein, wenn ich ein Pilot am Steuer sitzen habe mit zwanzigtausend Flugstunnerfahrungen, als jemand, der vielleicht gerade im ersten Jahr ist.
00:14:35: Und Routine spielt eine große Rolle.
00:14:37: Das ist die Begründung für spezialisierte Zentren, wo Spezialisten einzig Schulter-Elbungsschirchen vielleicht machen und andere Spezialisten wieder nur Hüfte oder Kniegelenken.
00:14:47: Es macht keinen Sinn mehr, dort in der Zeit zurückzugehen zum Generalisten, der von der Locke bis zur Socke alles kann.
00:14:54: Heute den Blinddarm, morgen die Schulter, übermorgen den Schenkelhalz.
00:14:58: Da sind wir eigentlich ganz weit von weg.
00:15:00: Was hat das für Konsequenzen auf die Abfolge unserer Eingriffe hier im Haus?
00:15:05: Wir haben sehr kurze Operationszeiten.
00:15:07: Wir liegen beim Einbau einer Schulterprothese zwischen zwanzig und fünfzig Minuten.
00:15:13: Es ist sehr, sehr... Komplikationsarmen durch nahezu gar kein Blutverlust, auch Bluttransfusionen gehören der Vergangenheit an.
00:15:21: Dadurch werden die Komplikationen deutlich geringer.
00:15:24: Patienten kommen viel, viel schneller mit ihren Gelenken wieder zurecht.
00:15:27: Aber es ist ja nicht nur die OP-Zeit, die deutlich abgenommen hat im Vergleich zu von vor ein paar Jahrzehnten, sondern auch die Rehabilitationszeit.
00:15:36: Also nach der OP, was ist wieder möglich?
00:15:39: Wie lange dauert es, bis der Patient zurück in den Alltag kann?
00:15:43: Welche Dinge sind vielleicht aber auch nicht mehr möglich, wie sie mal waren?
00:15:47: Dadurch, dass wir immer kleiner werden, was diese Operation angeht, die Autos werden immer größer, unsere Prothesen werden immer kleiner, haben wir auch immer schnellere Rehabilitationszeit.
00:15:58: Das bedeutet, dass die Patienten schon am nächsten Tag wieder mit den betroffenen Armen kleinere Tätigkeiten machen können.
00:16:05: Manchmal kommt man morgens zu Visite rein und die Patient frühstückt und man denkt erst mal, ich habe mich wahrscheinlich im Zimmer geirrt.
00:16:11: Es muss jemand anders sein.
00:16:12: Aber es ist tatsächlich überraschend, wie schnell einige Dinge wieder gehen, nicht sehr so trotz, ist darauf hinzuweisen, dass viel Mitarbeiter des Patienten notwendig ist, um das gute OP-Ergebnis dann auch wirklich zu perfektionieren.
00:16:27: Mitarbeiter des Patienten heißt, dass die Wochen und Monate nach einer solchen Operation davon geprägt ist, dass man in einer ersten Phase daran interessiert ist, dass die Wunderguthalt dazu gehört, dass der Patient die Maßgaben, die wir ihm empfehlen.
00:16:42: umsetzt.
00:16:43: In einer zweiten Phase geht es darum, dass man die Beweglichkeit verbessert und erst in der dritten Phase geht es dann darum, dass die Kraft wieder aufgebaut wird.
00:16:51: Und das machen wir normalerweise in guter Kooperation mit den Physiotherapeuten, mit den niedergelassenen Orthopäden und Unverschirrungen, mit den Hausärzten, die alle zusammen dafür sorgen, dass die Patienten auch im Nachgang eng betreut werden und die Therapie erhalten, die sie brauchen.
00:17:07: Eine häufige Frage aus der Sprechstunde ist, eine stationäre Reha wirklich notwendig?
00:17:12: Es kommt ein bisschen auf die Situation an.
00:17:15: Es gibt Patienten, die haben ihren Stammfüsetabholen seit zwanzig Jahren, der um die Ecke wohnt, die sind gut aufgehoben, die fühlen sich dort auch gut.
00:17:22: Die können das auch weiterhin in Anspruch nehmen.
00:17:24: Es gibt andere Patienten, die haben so etwas nicht und wohnen vielleicht etwas mehr in der Peripherie und dort macht dann eine stationäre Reha schon Sinn, wo eine engere Umsorgung und nach Betreuung erfolgt.
00:17:35: Von welchem Zeitraum sprechen wir denn von nach der OP?
00:17:38: Also wie lange dauert denn so eine Nachbehandlung an?
00:17:42: Ganz pauschal gesprochen.
00:17:43: Es ist immer individuell unterschiedlich, aber ganz pauschal gesprochen.
00:17:47: Ist meine Aussage in der Sprechstunde, dass der Patient mit sechs Monaten rechnen kann, bis alles wieder geht.
00:17:54: Auch die Frage kommt natürlich häufig vor, wann kann ich alles wieder machen?
00:17:58: Da stelle ich normalerweise die Gegenfrage, um was geht es denn?
00:18:01: Geht es um die Dinge des täglichen Lebens, geht es vielleicht um Klettersteige, geht es um Golfspielen, Tennis.
00:18:07: Da sind die Ansprüche ja ganz unterschiedlich.
00:18:09: Je nach Anspruch empfehle ich dann auch, die entsprechende Zeit abzuwarten.
00:18:15: Nehmen wir mal den Golfsport, der immer beliebter wird und gerade in diesem Alter eine häufige Rolle spielen.
00:18:20: Dort kann man schon mit etwa drei Monaten Zeit nach der Operation mit den ersten Schlägen wieder anfangen.
00:18:28: Auch das Fahrrad fahren, in dem Alter eine sehr häufige und sehr sinnvolle Sport an, kann man nach etwa sechs bis acht Wochen wieder aus Fahrrad gehen.
00:18:35: Womit man natürlich warten sollte, ist Trails zu fahren.
00:18:38: Aber das machen die meisten Leute in dem Alter dann nicht.
00:18:41: Also haben wir auch hier wieder den Umfang, der entscheidet, auch wieder individuell nach Verletzungen, nach Mensch, nach Hausdauern, auch vielleicht nach der Muskulatur um das Gelenk drumherum, spielt das eine große Rolle?
00:18:52: Die Muskulatur, der Schulter spielt die wesentliche Rolle.
00:18:57: Nicht nur wenn man eine Prothese einbaut, sondern auch wenn man noch abwartet.
00:19:00: Das ist auch eine sehr häufige Frage.
00:19:03: Was kann ich dafür tun, dass ich eben noch keine Prothese brauche oder dass wir es noch so lang wie möglich hinauszögern können?
00:19:10: Soll ich mich schonen?
00:19:11: Soll ich eine Schlinge tragen?
00:19:13: Das sind alles schlechte Ratgeber.
00:19:15: Schonung ist überhaupt im orthopedischen Bereich meistens falsch.
00:19:19: So dass ich den Patienten empfehle, dass sie ihr Aktivitätsniveau aufrecht erhalten, dass sie regelmäßig trainieren, das was ihnen Spaß macht.
00:19:27: Und wenn man dann tatsächlich soweit ist, dass man einen Gelenk benötigt, dann ist auch die langfristige Haltbarkeit und Funktion in erster Linie von der Muskulatur abhängig.
00:19:37: Und die Patienten, die dann nach einem halben Jahr oder nach einem Jahr in die Sprechstunde kommen und zeigen, wie die Schulter wieder an die Grenzen stößt, wie sie früher immer war und dass die Hand wieder an die Decke kommt.
00:19:47: Das sind eigentlich die, die auch wirklich vorher schon sportlich waren und immer schon viel gemacht haben.
00:19:53: Das muss man vorher besprechen und das muss man herausstellen, dass die Operation alleine ist, nicht richten kann.
00:19:59: Also haben wir auch hier wieder das beste Ergebnis, wenn wir einen gut ausgewählten und gut geschulten, routinierten Orthopäden haben und auch selbst mit Disziplinen und Ausdauer und Geduld mitarbeiten.
00:20:13: Wir haben es jetzt schon so ein bisschen eingeleitet im Prinzip.
00:20:15: Zum Ende stelle ich immer die Frage nach dem absoluten Experten-Tipp.
00:20:19: Meiner für heute würde jetzt lauten, ob es Übungen und Routinen gibt, die man wirklich von Anfang an, auch wenn man noch nichts in der Schulter hat, wenn alles gut ist, in den Alltag einbauen kann, sei es jetzt wirklich nur Sport oder vielleicht auch sogar im Ernährungsbereich.
00:20:34: Was kann man tun, um eventuell das Risiko einer Schulterverletzung, egal in welchem Ausmaß, vermindern zu können?
00:20:42: Das ist jetzt eine sehr vielschichtige Frage, weil die ja nicht nur auf die berufliche Belastung, sondern auch auf die sportliche Belastung und dann noch auf die Ernährung abzielt.
00:20:51: Alleine schon Felder sind, wo man sich in ganzen Kongressen abarbeiten kann.
00:20:55: Aber ganz grundsätzlich ist die Empfehlung, dass für die Schulter Gesundheit die sportliche Aktivität zählt.
00:21:03: Und jemand, der regelmäßig schwimmen geht oder auch Fahrrad fährt oder Nordic Walking macht oder andere Dinge.
00:21:11: Sportlicher Art unternimmt, ihm Spaß machen, ist eigentlich da sehr, sehr gut aufgestellt.
00:21:16: Ich möchte da jetzt auch keine Ernährungstipps geben, sondern zu einer generell gesunden Lebensweise raten.
00:21:22: Natürlich gibt es manche Patienten, denen auch wenig übrig bleibt, sich so gut wie möglich im Alltag zurückzunehmen.
00:21:29: Ich bespreche jetzt von denen, die körperlich sehr anstrengende Berufe haben.
00:21:32: Den kann ich natürlich nicht empfehlen.
00:21:34: Wechseln Sie jetzt mit fünfzig den Beruf und dafür sucht man dann manchmal.
00:21:38: Vielleicht die Belastung am Arbeitsplatz so gut wie möglich zu drosseln, was nicht immer möglich ist.
00:21:44: Aber einen richtigen Experten-Tipp gibt es eigentlich nur in der Weise, dass ich empfehle, bleiben Sie aktiv.
00:21:49: Schonung ist nicht der richtige Weg.
00:21:56: Wenn Sie weitere Fragen oder Anregungen haben oder bestimmte Themen hören möchten, schreiben Sie uns doch gerne.
00:22:03: Und natürlich freuen wir uns, wenn Sie beim nächsten Mal wieder mit dabei sind.
00:22:08: Bis dahin, bleiben Sie gesund und vor allem in Bewegung.
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