ARCUS bewegt: Patellaluxation
Shownotes
Bei "ARCUS bewegt", dem Podcast aus den ARCUS Kliniken in Pforzheim, widmen wir uns den häufigsten Krankheitsbildern im Bereich Gelenkersatz und Sporttraumatologie. Privatdozent Dr. Peter Balcarek, Kongresspräsident der Deutschen Kniegesellschaft, teilt seine Expertise über Knieverletzungen, mit einem besonderen Fokus auf die Patellaluxation. Wir gehen der Frage nach, was genau dieses Krankheitsbild ausmacht und beleuchten, welche Ursachen, Risikofaktoren und Symptome damit einhergehen.
Besonders wichtig ist die Erklärung zur Patellaluxation: Wenn die Kniescheibe bei bestimmten Bewegungen aus ihrem Gleitlager springt, kann dies zu starken Schmerzen und einer sofortigen Unfähigkeit führen, das Knie zu belasten. Dr. Balcarek beschreibt, dass meist sportliche Aktivitäten, insbesondere solche mit schnellen Richtungswechseln, diese Verletzung auslösen. Ein zentraler Punkt unserer Diskussion ist die Bedeutung einer frühzeitigen und präzisen Diagnose. Wir beleuchten die verschiedenen Methoden zur Feststellung einer Patellaluxation, inklusive klinischer Untersuchungen und bildgebender Verfahren wie Röntgenaufnahmen und MRT.
Das Gespräch geht weiter mit einem Ausblick auf die konservativen Therapiemöglichkeiten, die sowohl Schmerztherapie als auch gezielte Bewegungsübungen umfassen. Dr. Balcarek betont, wie wichtig eine frühzeitige Rehabilitation ist, um die Muskulatur zu stärken und Wiederverletzungen zu vermeiden. Hierbei wird auch auf die individuelle Anpassung der Therapie eingegangen, die je nach Alter und Aktivitätsniveau des Patienten variiert.
Die OP-Indikationen werden umfassend erörtert, insbesondere in Fällen, in denen begleitende Verletzungen des Knorpels auftreten. Wir erläutern, wie moderne Bewertungsverfahren, wie der Patella Instability Severity Score, Ärzten helfen, fundierte Entscheidungen für die Behandlung zu treffen. Zudem gibt Dr. Balcarek wertvolle Tipps für Patienten, um das Risiko einer Patellaluxation zu verringern, und hebt Präventionsstrategien hervor, die durch gezieltes Training und Athletikmaßnahmen in verschiedenen Sportarten gefördert werden können.
Abschließend werfen wir einen Blick auf die Rehabilitationsphase nach einer Operation und die Schritte, die notwendig sind, um sicher in den Alltag und den Sport zurückzukehren. Dabei wird klar, dass eine fundierte Nachbehandlung entscheidend ist, um Rückfällen vorzubeugen und die Beweglichkeit und Stärke des Knies wiederherzustellen.
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Intro/Outro: ARCUS bewegt, der Podcast direkt aus den ARCUS-Kliniken in Pforzheim.
Intro/Outro: Unsere Spezialisten beantworten ihre Fragen rund um den Gelenkersatz und die Sporttraumatologie.
Intro/Outro: Von der Diagnose bis zur Reha. Wir begleiten Sie jeden Dienstag mit neuen Themen
Intro/Outro: auf Ihrer Bewegungsreise.
Intro/Outro: Lernen Sie unsere Spezialisten kennen und stellen Sie uns Ihre Fragen durch
Intro/Outro: unsere Moderatorin Lisa Bornbaum.
Intro/Outro: Bei weiteren Fragen schreiben Sie uns gerne auf Instagram oder besuchen Sie
Intro/Outro: unsere Webseite www.sportklinik.de.
Intro/Outro: Alle weiteren Informationen finden Sie in der Podcast-Beschreibung.
Intro/Outro: Und jetzt viel Spaß mit der neuen Folge ARCUS BEWEGT!
Moderatorin Lisa Bornbaum: Ja, und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge ARCUS BEWEGT, der Podcast.
Moderatorin Lisa Bornbaum: Heute zu Gast ist Privatdozent Dr. Peter Balcarek, leitender Arzt und Kongresspräsident
Moderatorin Lisa Bornbaum: der Deutschen Kniegesellschaft. Herzlich willkommen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Vielen Dank.
Moderatorin Lisa Bornbaum: Wir starten rein in das Thema Knie, wenn wir hier den Kongresspräsidenten vor Ort haben.
Moderatorin Lisa Bornbaum: Und zwar wollte ich einmal fragen, was so Ihr häufigstes Krankheitsbild im Alltag
Moderatorin Lisa Bornbaum: in den Alkus-Kliniken ist.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Also ein Schwerpunkt meiner Arbeit ist die rekonstruktive Kniegelenkschirurgie,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: das heißt also Maßnahmen zum Gelenkerhalt.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und dazu gehören verschiedene Bandrekonstruktionen, Knorpeltherapien,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: viele Korrekturen des Knochens, zum Beispiel Osteotomien.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und in diesem Bereich und quasi klinisch und wissenschaftlich,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: mein besonderer Schwerpunkt ist dann das Kniescheibengelenk.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Hierbei sind es dann insbesondere Fehlstellungen oder auch Instabilitäten der
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Kniescheibe, die uns sowohl wissenschaftlich als auch klinisch sehr häufig beschäftigen.
Moderatorin Lisa Bornbaum: Wir wollen uns heute über die Patellaluxation unterhalten.
Moderatorin Lisa Bornbaum: Was ist das denn genau? Also was kann sich denn der Laie, der bis jetzt verschont
Moderatorin Lisa Bornbaum: geblieben ist, von dem Krankheitsbild darunter vorstellen?
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Von einer Patellaluxation sprechen wir dann, wenn die Kniescheibe bei einer
PD Dr. Med. Peter Balcarek: bestimmten Bewegung aus ihrem Gleitlager herausspringt.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das tut sie immer nach außen. Das heißt,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: normalerweise ist die Kniescheibe in einer Art Rinne geführt und bei bestimmten
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Mechanismen oder auch insbesondere dann, wenn gewisse anatomische Prädispositionen
PD Dr. Med. Peter Balcarek: vorliegen, Das heißt, man hat eine gewisse Veranlagung dazu.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Dann kann es sein, dass die Kniescheibe diese Rinne, dieses Gleitlager verlässt
PD Dr. Med. Peter Balcarek: und dann nach außen herausspringt.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das ist typischerweise mit einem sehr akuten, einstechenden Schmerz verbunden
PD Dr. Med. Peter Balcarek: und auch mit einem Sturzereignis.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Denn wenn die Kniescheibe rausspringt, dann kann quasi der Oberschenkelmuskel
PD Dr. Med. Peter Balcarek: seine Kraft nicht mehr entfalten und damit das Knie ist nicht mehr belastbar.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Ich kann nicht drauf stehen, ich kann es in der Beugung nicht belasten.
Moderatorin Lisa Bornbaum: Was sind denn, abgesehen jetzt von einem Sturz, so die häufigsten Ursachen und Risikofaktoren?
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Also das typische Alter der sogenannten Erstluxationer, das ist die Erstmanifestation,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: das erste Mal, dass die Kniescheibe rausspringt, ist im Kinder- und Jugendlichenbereich
PD Dr. Med. Peter Balcarek: meistens so zwischen 10 und 17. Lebensjahr.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und oftmals ist es so, dass der Patient davor meistens gar keine Beschwerden
PD Dr. Med. Peter Balcarek: hat, das heißt, er weiß eigentlich nicht, dass er da vielleicht eine Veranlagung
PD Dr. Med. Peter Balcarek: für hat. Und dann sind es doch meistens irgendwie sportliche Aktivitäten am Anfang.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das heißt, der Schulsport zum Beispiel oder der Freizeitsport,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: insbesondere so schnelle Richtungswechsel können dazu beitragen,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: weil dann einfach durch eine Indrehung des Oberschenkels und eine relative Außendrehung
PD Dr. Med. Peter Balcarek: des Fußes der äußere Oberschenkelmuskel sehr stark an der Kniescheibe nach außen zieht.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und dann kann eben durch so ein abruptes Ereignis diese Kniescheibe rausrutschen
PD Dr. Med. Peter Balcarek: und dann ist es tatsächlich sehr unterschiedlich, wie viel Kraft von außen einwirken muss.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Also es muss jetzt nicht unbedingt der Gegenspieler beim Fußball in das Knie
PD Dr. Med. Peter Balcarek: hinein grätschen, damit das passiert, sondern es reicht eigentlich auch ein
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Nicht-Kontakt, sondern einfach ein schnelles Verdrehen des Kniegelenks mit der ersten Luxation.
Moderatorin Lisa Bornbaum: Und wie stellt man die Patellaluxation dann fest?
Moderatorin Lisa Bornbaum: Also muss man sofort oder sollte man sofort den Orthopäden aufsuchen,
Moderatorin Lisa Bornbaum: sobald dieser stechende Schmerz dann im Knie stattfindet?
Moderatorin Lisa Bornbaum: Oder sagt man so dieses vielleicht auch typische jetzt, wartet man mal ein,
Moderatorin Lisa Bornbaum: zwei Tage ab und guckt, was passiert?
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Es gibt zwei verschiedene Formen. In den meisten Fällen, Gott sei Dank,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: springt die Kniescheibe wieder von allein zurück.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das heißt, die geht kurz raus, es kommt dieser stechende Schmerz und bei den
PD Dr. Med. Peter Balcarek: meisten Patienten rutscht die gleich wieder zurück.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Es gibt aber auch die Fälle, wo die verhakt bleibt. Das heißt,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: sie bleibt luxiert oder ausgerenkt und dann ist es relativ klar,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: also dann ist allen Beteiligten klar, dass da was nicht stimmt,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: weil das sieht man auch tatsächlich.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und dann kann es tatsächlich so sein, dass du dann auch durch die Rettungssanitäter
PD Dr. Med. Peter Balcarek: oder durch den Notarzt erstmal vor Ort eingereckt werden musst,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: weil das tut wirklich sehr weh, man verkrampft sich und dann braucht es dann
PD Dr. Med. Peter Balcarek: ärztliche Unterstützung oder medizinische Fachhilfe, um die Kniescheibe wieder
PD Dr. Med. Peter Balcarek: an ortschen Stelle zu bekommen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Wenn sie direkt wieder zurückspringt, kommt es trotzdem danach in der Regel
PD Dr. Med. Peter Balcarek: zu einem starken Gelenkerguss, weil es zu einer Verletzung des inneren Kapselbereiches
PD Dr. Med. Peter Balcarek: des Kniegelenks kommt. Das heißt, es blutet ins Kniegelenk ein,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: ähnlich wie auch bei einer Kreuzbandtruktur.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und das sind dann tatsächlich so ein bisschen die Kombinationen der Beschwerden,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: dieses Ereignis mit starkem Schmerz, dann die Ergussbildung,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: dann ist schon irgendwo klar, da passt was nicht.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Also da muss nachgeguckt werden. Und klar, wenn sie von außen wieder eingerenkt
PD Dr. Med. Peter Balcarek: werden muss, dann sowieso, dann geht es ja meistens dann auch danach direkt in die Klinik.
Moderatorin Lisa Bornbaum: Und wie wird die Luxation dann dargestellt? Also wie läuft die Sichtung, sage ich jetzt mal, ab?
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Also wenn die Knieschabe wieder spontan eingerenkt ist und quasi nicht mehr
PD Dr. Med. Peter Balcarek: im luxierten Zustand steht, dann bedarf es der Kombination aus klinischer Untersuchung
PD Dr. Med. Peter Balcarek: und dann aber auch Bildgebung.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das heißt, dem Patienten ist nicht immer gleich klar, dass das natürlich die
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Knieschabe rausgesprungen ist. Das weiß er nicht.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das kann er auch nicht immer so eindeutig wiedergeben, weil das manchmal so
PD Dr. Med. Peter Balcarek: schnell passiert, dass das nicht klar ist.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das heißt, es gibt die klinische Untersuchung, die entsprechend.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Dann versucht er es herauszuarbeiten, also eine umfassende Untersuchung des
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Kniegelenks, wo man natürlich auch nach anderen Dingen schaut.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Also die Diagnose der Patellaluxation kommt ja dann auch, wenn alles andere
PD Dr. Med. Peter Balcarek: mehr oder weniger auch ausgeschlossen wurde.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Also wir müssen natürlich auch schauen, sind die Kreuzbänder stabil,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: sind die Seitenbänder stabil, ist es nicht zu einem Bruch gekommen,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: kann ja auch Verrenkungsbruch mal sein. Das heißt, neben der klinischen Untersuchung
PD Dr. Med. Peter Balcarek: ist dann die erste Maßnahme eigentlich erst mal das Röntgenbild.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das ist relativ banal, aber auch da kann man schon tatsächlich sehr viel sehen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Typischerweise werden drei Röntgenaufnahmen gemacht. Das sind Aufnahmen vom
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Knie von vorne, von der Seite und dann einmal eine Aufnahme für die Kniescheibe
PD Dr. Med. Peter Balcarek: selbst, die quasi von oben geschossen wird.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und das kann erstmal ganz grobe Dinge wie Frakturen, noch bestehende Verrenkungen ausschließen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und dann braucht es aber tatsächlich auch eine Kernspintomographie.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Also wenn der Verdacht der Patellaluxation besteht, dann muss man fordern,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: dass dann auch eine Kernspintomographie gemacht wird, weil es dann eben darum geht,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: das Verletzungsmuster zu analysieren und damit auch die Therapie ein wenig in
PD Dr. Med. Peter Balcarek: die richtigen Bahnen zu lenken.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Denn das ist etwas, was wir so die letzten 10 bis 15 Jahre dann gelernt haben.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Wir brauchen die Analyse, um den Patienten beraten zu können,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: was ist passiert, was ist wirklich kaputt gegangen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Gibt es möglicherweise einen traumatischen Knorpelschern, der durch das Herausspringen,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: durch diese Abschermechanismen entstanden sind,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: so eine osteokontrale Fraktur, also eine Knorpel-Knochen-Abscherung,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: die bedarf einer zeitnahen operativen Versorgung in der Regel,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: weil das ist ein relevantes Problem für das Knie.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und wenn die Kniescheibe rausbringt, ist es auch so, dass dieser innere Halteapparat
PD Dr. Med. Peter Balcarek: für die Kniescheibe auch immer was abbekommt.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Anders geht es leider nicht. Also dieses Halteband, ein spezielles Halteband
PD Dr. Med. Peter Balcarek: auf der Innenseite, das hat immer eine strukturelle Schädigung.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Diese Dinge gilt es herauszuarbeiten und dann, hatte ich eingangs schon mal
PD Dr. Med. Peter Balcarek: ein bisschen erwähnt, wir haben diese Veranlagungen bei vielen Patienten,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: von der sie vorher nichts wissen, aber auch dann ist das eben das wesentliche Ziel der Diagnostik,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: diese Veranlagungsstörung, naja, was heißt Störung, aber diese Veranlagung,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Prädisposition für dieses Erkrankungsbild herauszuarbeiten, weil daran orientiert
PD Dr. Med. Peter Balcarek: sich dann tatsächlich die Entscheidung.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Braucht es eigentlich direkt eine operative Maßnahme?
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Wie hoch ist denn das Risiko, dass das wieder passiert?
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Denn wir müssen eins berücksichtigen, wenn es das erste Mal passiert ist,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: dann haben wir, wenn man alle Patienten zusammennimmt, ungefähr ein Risiko,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: dass das wieder passiert, bei etwa 33 Prozent, also ein Drittel.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das ist schon mal ziemlich hoch.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Aber wenn wir uns gerade dann die Kinder und Jugendlichen angucken,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: also die eine hohe Aktivität haben und meistens dann auch eine relativ starke
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Prädisposition, denn je eher es passiert, desto höher ist meistens dann die
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Veranlagung, dann steigt dieses Risiko der Reluxation auf 60 bis 70 Prozent.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Wenn man es rein konservativ behandelt oder natürlich zu hoch.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Also das ist irgendwo klar, dass eine Therapie, die mit 60, 70 Prozent Rezidivrate
PD Dr. Med. Peter Balcarek: einhergeht, eigentlich nicht adäquat ist.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und da haben wir in den letzten Jahren deutlich dazugelernt,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: dass man dann entsprechend analysieren und beraten muss und hier möglicherweise
PD Dr. Med. Peter Balcarek: auch eine andere Therapie als eine rein konservative Therapie einzuleiten hat.
Moderatorin Lisa Bornbaum: Sie hatten gerade schon von der konservativen Therapie gesprochen.
Moderatorin Lisa Bornbaum: Welche Möglichkeiten gibt es denn da überhaupt? Und gerade jetzt auch in der
Moderatorin Lisa Bornbaum: Hinsicht, dass eben das Risiko verringert wird, dass das halt nochmal passieren kann.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Also die ersten Maßnahmen, wenn es wirklich dieses akute Ereignis ist und wir
PD Dr. Med. Peter Balcarek: eine Erstluxation vorliegen haben,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: dann geht es erstmal darum, Schmerztherapie einzuleiten, das Knie in gewisser
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Weise auch mal kurzfristig ruhig zu stellen, kurzfristig meint,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: einige Tage mit einer entsprechenden Orthese zu arbeiten, hochlagern, kühlen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Also die allgemeinen Dinge, die wir eigentlich bei jeder Gelenksverletzung machen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Schonung, Kühlung, Hochlagern und eine gewisse Ruhigstellung.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Dann aber relativ zügiger Übergang nach den ersten Tagen und wenn das Knie etwas
PD Dr. Med. Peter Balcarek: abgeschwollen ist, durch mit funktionellen Übungen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das heißt, wir dürfen nicht zu lange ruhig stellen, wir brauchen einen guten
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Mittelweg, weil wir einerseits, wenn wir konservativ behandeln wollen,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: dem gerissenen Band eine gewisse Chance der Heilung ermöglichen wollen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Aber das Knie braucht trotzdem auch eine gewisse Bewegung. Das heißt,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: wir müssen graduell über verschiedene Wochen damit Bewegungsübungen starten
PD Dr. Med. Peter Balcarek: und die auch graduell steigern.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Wir brauchen relativ früh Übungen für den Oberschenkelmuskel,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: weil der Patient einfach reflektorisch aus Angst, da passiert was.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Auch mal seine Oberschenkelmuskulatur, den Quadrizepsmuskel nicht wirklich mehr nutzt.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Einfach aus dem Grund, wenn ich den anspanne und er kann ja seinen Oberschenkelmuskel
PD Dr. Med. Peter Balcarek: mal ein bisschen anspannen, dann merkt man ja, das bewegt ja die Kniescheibe.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das ist ja das Anatomische, dass die Kniescheibe in die Sehne des Oberschenkelmuskels
PD Dr. Med. Peter Balcarek: eingebettet ist und damit eine ganz wichtige Funktion dieses Hypromochleons übernimmt.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das ist quasi wieder eine Kraftverstärkung wie ein Hebelarm.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und wenn ich aber muskulär arbeite, dann bewege ich automatisch die Kniescheibe.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und da ist natürlich die Verletzung entstanden und deswegen ist natürlich jeder
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Patient, der das hat, erstmal gehemmt, da mit Übung zu anzufangen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Was aber sehr wichtig ist, denn wenn wir erstmal so diese Quadrizepsfunktion
PD Dr. Med. Peter Balcarek: verlieren, dann wird die Nachbarnung ganz schwierig.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Dann kommt man wirklich schwer in die Gänge, man verliert sehr viel koordinativer
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Fähigkeiten und deswegen brauchst du dann einen guten Mittelweg zwischen Schonung
PD Dr. Med. Peter Balcarek: und Heilung, aber auch eben funktioneller und früh funktioneller Therapie.
Moderatorin Lisa Bornbaum: Okay, also auch hier wieder total individuelle Therapiemaßnahmen,
Moderatorin Lisa Bornbaum: wie wir es jetzt eigentlich schon bei mehreren Krankheitsbildern hatten.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Ja, tatsächlich ist die Patellaluxation eigentlich eines der Krankheitsbilder,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: was wirklich einer zunehmenden individualisierten Therapie entspricht.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und wir brauchen bei jedem Patienten diese entsprechende Analyse.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Noch kurz zu den Patienten, wo wir diese konservative Therapie überlegen können.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Es sind dann typischerweise eigentlich die etwas älteren Patienten,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: also nicht mehr dieser ganz Hochrisikopatient im Kindes- und Jugendlichenalter,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: also der etwas ältere Patient,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: wobei dann schon mit alt geht es dann schon von 25 bis 30 Jahren,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: also nicht alt, aber jetzt für dieses Krankheitsbild eher etwas älter,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: wenn es dann zu einer Erstluxation gekommen ist.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Wenn wir keine traumatische Knorpel-Knochen-Verletzung haben,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: also keinen relevanten Schaden der gelenktragenden Knorpelfläche und wenn diese
PD Dr. Med. Peter Balcarek: anatomische Prädisposition nicht allzu stark ausgeprägt ist und wenn jetzt auch
PD Dr. Med. Peter Balcarek: zum Beispiel die sportliche Aktivität insofern das zulässt,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: dass jetzt keine Sportarten mit diesen schnellen Rotationsbewegungen oder sogenannten
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Pivoting-Sportarten durchgeführt werden.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das ist wie auch zum Beispiel beim Fußball die vordere Kreuzbandverletzung.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das heißt, dieser feststehende Fuß und diese schnelle Rotation über den feststehenden
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Fuß und das feststehende Bein, das sind so die Bewegungsmuster.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Die dazu einfach ein erhöhtes Risiko haben, sich da wieder eine Verletzung zuzuziehen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und wenn das alles nicht gegeben ist, dann haben wir, glaube ich,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: einen Patienten vor uns, den wir erstmal guten Gewissens auch mit einer konservativen
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Therapie zuführen können.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Aber, und das will ich gerade noch ergänzen, es werden zunehmend weniger. Das muss man auch sagen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Wir hatten bis vor fünf, sechs Jahren tatsächlich, galt immer noch so ein bisschen
PD Dr. Med. Peter Balcarek: das Dogma, also die Erstluxation ohne Knorpel-Knochen-Verletzung.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Dann bleibt eigentlich konservativ, so nach dem Motto, einmal ist keinmal.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Aber wie gesagt, wenn man genau hinschaut, so sind die Ergebnisse nicht so richtig
PD Dr. Med. Peter Balcarek: gut geworden oder bei vielen Patienten nicht richtig gut und zufriedenstellend
PD Dr. Med. Peter Balcarek: und das hat auch die Literatur und die Wissenschaft tatsächlich in den letzten
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Jahren zunehmend aufgearbeitet,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: dass die Patienten auch nach Erstluxation tatsächlich eher von einer operativen
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Therapie profitieren und zwar genau indem man dann dieses gerissene Halteband
PD Dr. Med. Peter Balcarek: der Kniescheibe, gibt es ein wesentliches Band,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: das nennt sich abgekürzt das MPFL.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das ist einfach eine Abkürzung des lateinischen Fachausdrucks.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das steht für mediales patellofemorales Ligament.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und dieser Anteil, der läuft von der Innenseite der Kniescheibe auf die Innenseite
PD Dr. Med. Peter Balcarek: des Oberschenkelknochens und der macht auch 60% dieser Bandstabilität für die Kniescheibe aus.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Als sogenannter passiver Stabilisator. Und mit der Rekonstruktion dieses Bandes,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: also nicht nur der Naht, sondern wirklich der Verstärkung, meistens über einen
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Teil einer körpereigenen Sehne.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Damit reduziert sich dieses Reluxationsrisiko doch signifikant gegenüber der
PD Dr. Med. Peter Balcarek: rein konservativen Therapie.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und es hat sich zunehmend etabliert, oder zunehmend durchgesetzt,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: immer mehr Patienten doch primär zu empfehlen, das doch lieber zu rekonstruieren,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: um das Risiko des erneuten Luxierens einfach zu reduzieren.
Moderatorin Lisa Bornbaum: Sie hatten es jetzt schon quasi erklärt, wie die OP abläuft und auch schon so
Moderatorin Lisa Bornbaum: ein Indiz, wann es Sinn macht zu operieren.
Moderatorin Lisa Bornbaum: Aber gibt es so den Patienten, bei dem man wirklich dann sagt,
Moderatorin Lisa Bornbaum: okay, es muss eigentlich sofort operiert werden, der konservative Weg wird hier
Moderatorin Lisa Bornbaum: nicht viel bezwecken und es macht einfach deutlich mehr Sinn?
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Also die ganz klare Empfehlung ist das, was ich gerade schon sagte,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: wenn es zu einer begleitenden Knorpel-Knochen-Verletzung gekommen ist,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: das heißt, es kommt zu einer Abscherverletzung eines gelenktranen Knorpelanteils,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: entweder von der Kniescheibe selbst oder meistens dann auf der Außenseite der Oberschenkelrolle.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das ist eine klare OP-Indikation, Insbesondere dann, wenn dieses Stück über
PD Dr. Med. Peter Balcarek: ein Quadratzentimeter größer wird misst, weil dann sollte man dieses Stück wieder
PD Dr. Med. Peter Balcarek: refixieren, damit man die Gelenkfläche des Kniegelenks wieder rekonstruiert.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das sind die sehr klaren Indikationen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Dann gilt, wenn man das macht, dann sollte man dieses Band, dieses MPFL-Band
PD Dr. Med. Peter Balcarek: mit rekonstruieren, weil nur damit ich einfach das Risiko des erneuten Luxierens reduziere.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und es ist ja nicht schlimmer, als wenn ich jetzt diesen Knoppel befestige und
PD Dr. Med. Peter Balcarek: mir richtig viel Mühe gebe und nach einem Jahr kommt es zur nächsten Luxation
PD Dr. Med. Peter Balcarek: und genau quasi da über diesen ja schon vorgeschätigten Knoppel kommt das neue
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Ereignis, dann wird das auf Dauer nicht funktionieren.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Also das ist sicherlich sinnvoll.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und ja, wenn wir eben den jungen, sportlich aktiven Patienten haben,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: der ein gewisses Risikoprofil mitbringt, auch dann macht eben die Rekonstruktion dieses Bandes Sinn.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Es sind in den letzten zehn Jahren verschiedene Scoring-Systeme entwickelt worden.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das heißt, man hat die Summe mehrerer Parameter, die insbesondere dann uns helfen,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: wenn sie einen gewissen Schwellenwert überschreiten. in der Entscheidung,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Mensch, hier ist das Risiko wirklich bei 60, 70 Prozent, da macht die Operation Sinn.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Wir haben damals, das ist auch schon über zehn Jahre her, so einen der ersten
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Scores dafür entwickelt.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das ist der Patella Instability Severity Score und das war einer der ersten,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: der uns einen gewissen Grenzwert gab aus demografischen Daten und Anatomie,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: der uns einfach half und das ist mittlerweile recht validiert,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: gibt verschiedene Scores mittlerweile auch dafür.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Aber die helfen, insbesondere dann auch in der Kommunikation mit den Wir reden
PD Dr. Med. Peter Balcarek: ja immer von minderjährigen Patienten tatsächlich in dieser Gruppe und da ist
PD Dr. Med. Peter Balcarek: natürlich immer Mama und Papa dabei und auch natürlich besorgt und zurecht besorgt,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: was jetzt quasi mit dem Kind ist.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und die Entscheidungsfindung natürlich auch für Eltern zu sagen,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: okay, wir willigen zu einer Operation ein, das muss natürlich denen auch plausibel
PD Dr. Med. Peter Balcarek: gemacht werden, muss gut begründbar sein.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und dabei hilft das dann tatsächlich schon, dass man sagen kann,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: hier liegt einfach ein Risiko bei Ihrem Jungen oder bei Ihrem Mädchen vor,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: dass mit 50 bis 60 Prozent diese Knieschaber in den nächsten ein bis zwei Jahren
PD Dr. Med. Peter Balcarek: wahrscheinlich wieder rausspringen wird.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Dann ist es verständlich und einleuchtend, dass auch eine OP sinnvoll auch direkt sein kann.
Moderatorin Lisa Bornbaum: Wenn jetzt die OP stattgefunden hat, wie sieht die Rehabilitation aus und wann
Moderatorin Lisa Bornbaum: ist so ein normaler Alltag quasi eigentlich wieder möglich und vor allem Sport auch?
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Also die Rehabilitation beginnt eigentlich direkt am Tag nach der Operation.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das heißt, es geht am Tag nach der OP aus dem Bett heraus, unter Anleitung der
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Krankengymnastik, mit einer Teilbelastung an Unterarm-Gelstützen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Wenn es jetzt eine isolierte Rekonstruktion dieses Bandes ist,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: dann haben wir ungefähr einen Zeitraum, wo man Krücken nutzen muss von etwa
PD Dr. Med. Peter Balcarek: drei Wochen und eigentlich gleich dieses Üben einer fast normalen Beweglichkeit.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Es gibt kaum mehr, dass wir Orthesen oder Schienen dran machen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Es soll darf und soll gleich bewegt
PD Dr. Med. Peter Balcarek: werden. Es soll gerade auch dieser Quadrizepsmuskel gleich beübt werden.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Etwas anders ist es dann, wenn wir den Knoppel wieder befestigen müssen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Dann ist tatsächlich eine etwas längere Entlastungsphase von vier bis sechs Wochen notwendig.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das hängt ein bisschen von der Größe und von der Lokalisation des fixierten Knorpels ab.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Also dann haben wir eine etwas längere Entlastungsphase, aber eben auch direkt
PD Dr. Med. Peter Balcarek: begleitend mit Physiotherapie.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Sport, ja, es geht dann los eigentlich mit Übungen. Und wenn wir vom leichten
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Sport sprechen, reden wir am Anfang erstmal so von Ergometer,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Fahrrad fahren, schwimmen dann vielleicht.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und das funktioniert dann, wenn die Beweglichkeit des Kniegelenks weitestgehend
PD Dr. Med. Peter Balcarek: normal ist, auch gerade für das Ergometer-Training, brauchen wir schon so 115,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: 120 Grad Beugefähigkeit.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Dann darf das aber auch gerne nach sechs bis sieben Wochen schon begonnen werden.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das schwimmt meistens ein bisschen später, meistens dann so nach etwa acht Wochen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Die ersten drei Monate braucht es eigentlich weitere Rehabilitation.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Wir müssen am Muskelaufbau arbeiten, wir müssen insbesondere an der Koordination
PD Dr. Med. Peter Balcarek: arbeiten und wir dürfen so ein bisschen die angrenzenden Gelenke nicht vergessen,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: und da geht es insbesondere um das Hüftgelenk,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: weil gerade die Stabilität von der Beckenbeinachse ganz wichtig ist.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und da brauchst du dann doch viele Übungen, sodass die ersten drei Monate da
PD Dr. Med. Peter Balcarek: noch kein Rückkehr zum Sport erlaubt ist.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Dann haben wir weitere drei Monate, eigentlich vom dritten bis sechsten Monat,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: wo eigentlich weiter auftrainiert wird und erst so frühestens ab dem sechsten
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Monat zu empfehlen ist, mit Rotationssportarten wieder zu beginnen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Aber auch dann sehr individuell hängt es vom Trainingszustand des Einzelnen ab.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und was ich noch sagen kann, bei eher komplexeren Stabilisierungen,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: und da reden wir jetzt nicht von der Erstluxation, sondern eher von dem chronischen
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Verlauf, wo dann mehr Knöchern mit korrigiert werden muss.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Da kann man sagen, dass die Patienten normalerweise neun bis zwölf Monate brauchen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Also das ist recht vergleichbar dann auch mit einer vorderen Kreuzbandtruktur.
Moderatorin Lisa Bornbaum: Okay, zum Abschluss jeder Folge fragen wir immer noch nach einem Experten-Tipp.
Moderatorin Lisa Bornbaum: Und Sie möchte ich gerne heute fragen, was man denn selbst tun kann,
Moderatorin Lisa Bornbaum: um das Risiko einer Paternaluxation zu verringern, also wenn es überhaupt Möglichkeiten gibt.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Das ist eine gute Frage. Prävention ist eigentlich das, was uns immer umtreibt.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Es geht bei der Prävention tatsächlich ähnlich um eine allgemeine Prävention,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: um überhaupt Verletzungen rund ums Kniegelenk zu vermeiden.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und da gibt es zum Beispiel aus dem Fußballbereich, möchte ich da anführen,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: es gibt tatsächlich von der FIFA, das FIFA 11 Plus Programm heißt es, glaube ich,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: das heißt, da wird ein Trainingskonzept auch Trainern und begleitenden Physiotherapeuten
PD Dr. Med. Peter Balcarek: an die Hand gegeben, wo tatsächlich spezielle Übungen auch für die Kinder schon
PD Dr. Med. Peter Balcarek: entwickelt worden sind, um Verletzungsprävention zu betreiben.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Und da geht es tatsächlich sehr viel um Athletiktraining, tatsächlich sicheres
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Landen, sichere Sprungbelastung, rumpfstabilisierende Maßnahmen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Diese schon angedeutete Stabilität zwischen Rumpfbecken und der Beinachse ist
PD Dr. Med. Peter Balcarek: ganz wichtig, dass ich zum Beispiel, wenn ich eine Kniebeuge mache,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: dass meine Knie vorne bleiben und die nach innen oder nach außen abdriften,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: dass ich beim Landemanöver kein Eindrehen des Kniegelenks habe.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Aber das sind die wichtigen Präventionsmaßnahmen.
PD Dr. Med. Peter Balcarek: Also gar nicht so sehr jetzt ein Ohr rein auf die Kniescheibe bezogen,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: sondern insgesamt, um präventiv zu arbeiten, um Verletzungen des Knigens,
PD Dr. Med. Peter Balcarek: auch Bandverletzungen einfach vorzubringen.
Intro/Outro: Das war die neue Folge des Podcasts Akkus bewegt.
Intro/Outro: Wenn Sie weitere Fragen oder Anregungen haben oder bestimmte Themen hören möchten,
Intro/Outro: schreiben Sie uns doch gerne.
Intro/Outro: Und natürlich freuen wir uns, wenn Sie beim nächsten Mal wieder mit dabei sind.
Intro/Outro: Bis dahin, bleiben Sie gesund und vor allem in Bewegung.
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